Social Media im Tourismus – Wir suchen die Best Practice-Beispiele

Klick zum VergrößernSeit wir für Familotel das erste deutsche Elternblogger-Treffen veranstaltet haben, interessiert uns Social Media im Tourismus besonders stark. Deshalb waren wir sehr gespannt, als die Vereinigung Deutscher Reisejournalisten lud im Frühjahr zu einem Webinar einlug, um gelungene Beispiele der Tourismus-Branche in den sozialen Medien vorzustellen. Zum Podium gehörten Medienvertreter, Blogger, PR-Profis und Touristik-Unternehmen. Am Ende blieb dann aber doch eine Frage unbeantwortet, die besonders viele Teilnehmer umtrieb: Wie nutzt man als Pressesprecher Social Media Kanäle eigentlich am besten, wie schafft man sich hier ein Publikum und versorgt neben Endkunden auch Journalisten mit relevanten Informationen? Über Eure Hinweise freuen wir uns im Kommentar!

Los ging es in dem Webinar mit dem Projekt „Mona macht Meilen“ der WAZ, bei dem die Zeitung die Weltreise der Redakteurin Mona begleitet. Angekündigt wurde die Aktion im Print, ansonsten werden vor allem die Online-Kanäle bespielt: WAZ-Website und eigene „Mona macht Meilen“-Accounts auf Twitter, Facebook sowie einem eigenen Blog. Die Leser können Mona Aufgaben stellen und werden so ins Geschehen eingebunden. Bisher ist die Aktion eher von mäßigem Erfolg gekrönt. Seit dem Start im März verzeichnete die Facebook-Seite Mitte April nur rund 500 Fans, jetzt rund 950. Und das, obwohl die Aktion groß in der WAZ angekündigt wurde und mit Facebook-Anzeigen potentielle Interessenten angesprochen wurden. Gründe für den mäßigen Erfolg sehen die Podiums-Teilnehmer hier: Statt eigener Plattformen für die Aktion hätte die WAZ auf seine bestehende, etablierte Facebookseite sowie den Reiseteil auf seiner Website setzen sollen. Die Leser fühlten sich eventuell überfordert, weiteren Kanälen folgen zu sollen. Fans aufzubauen ist ohnehin meist ein langer Prozess und bei einer einmaligen Aktion selten sinnvoll. Der Objektleiter Content der WAZ sieht das bisherige Ergebnis sehr nüchtern und gibt zu, dass man mit dem Projekt ohne festes Ziel gestartet sei und man sich einfach mal ausprobieren wollte. Im Mai gab es dann einen rasanten Anstieg auf über 1.000 Facebookfans. Ob das dem Hinweis auf die Aktion auf der Facebookseite des Reisebloggers Christoph Karrasch geschuldet ist? Immerhin hatte die Facebookseite seines Reiseblogs „Von Unterwegs“ zu dem Zeitpunkt schon über 4.500 Fans. Wie er seine eigene Fangemeinde aufgebaut und vergrößert hat, erzählte er im Podium.

Christoph Karrasch ließ seine Fans eine Weltreise für ihn planen und machte die Leser vom Follower zum Produzenten. Aber warum hat hier geklappt, was bei „Mona macht Meilen“ nicht so richtig zündete? Schon vor seiner „fünf Länder in zehn Tagen“-Aktion war er mehrere Jahre als Reisejournalist, Radio- und Videoreporter aktiv und konnte dann auf die feste Leserschaft seines Blogs und beachtliche 3.000 Facebookfans bauen, die Vorschläge einreichten und seinen Aufruf fleißig teilten. Zudem wurde sein Aufruf von nationalen Medien aufgegriffen. Insgesamt brachte ihm die Aktion etwa 1.500 neue Fans. Durchgeführt wurde die Reise im Auftrag eines Verlags, der das Ganze dann auch in Buchform veröffentlichte.
Als Beispiel für Reise-Journalisten, die online sehr aktiv sind, wurde Hilke Maunder genannt. Auf ihrer Website und auf mehreren Blogs stellt sie aktuelle Projekte und Reisen vor und bietet diese somit auch Reisemedien und –ressorts zur Weiterverwendung an. Die Reise- und Tourismusmedien selbst nutzen Social Media unter anderem dafür, um Inhalte für ihre Printausgaben zu generieren. So zum Beispiel die Touristik Aktuell, die Meinungen und Kommentare von Facebook im Heft aufgreift oder als Anstoß für Beiträge nutzt. Aber wie funktioniert das Spiel nun anders herum? Wie nutzen Tourismus-Unternehmen Social Media?

Aus Unternehmenssicht sprach die Fluggesellschaft KLM und stellte ihre deutsche Facebookseite vor, die aktuell rund 123.000 Fans verzeichnet. Dort geht es vorwiegend um die Kommunikation mit Endverbrauchern. Die Seite wurde aus dem Zufall geboren – während der Aschewolke 2010 mussten Fluggäste auf dem Laufenden gehalten werden. Neben Unternehmensnews und Verlosungen nutzt KLM seinen Kanal auch zur Vermarktung von Angeboten. Hier muss man allerdings darauf achten, dass es nicht zu sehr um Angebote und Preise geht und Facebook nicht zum reinen Vertriebskanal wird. Bei den Nutzern kommt meist ein Mix aus Angeboten, Unterhaltung und Service am besten an.

Laut Tourismusreport 2015 des Zukunftsinstituts Frankfurt werden Apps und YouTube immer wichtiger, besonders bei den bis zu 34-jährigen. Der Trend geht hin zur Echtzeitkommunikation. Die Reisenden wollen dort übersichtlich mit Informationen versorgt werden und spontan und stressfrei über Reisepläne entscheiden können. Visuelles Storytelling ist ein weiteres Stichwort der Studie. Gerade über Bilder lassen sich Urlaubsträume und Sehnsüchte verkaufen. Wie man sich mit verschiedenen Social-Media-Instrumenten jedoch als Tourismus-Unternehmen an freie Journalisten und Medien mit seinen Angeboten richtet, blieb in der Podiumsdiskussion leider unberührt. Da diese Frage besonders viele Teilnehmer umtrieb, freuen wir uns, falls ihr hier neue Beispiele habt.

Autoren: Jenny Gardke und Ulrica Griffiths

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Text in: Englisch

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